Mindestlohn Initiative, Falsche Panikmache bei den Gegnern

Die Mindestlohn-Initiative sorgt in der Schweiz für zündenden Gesprächsstoff

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Hand aufs Herz, können Sie wirklich gegen diese Initiative sein? Wer bereits >4000.- verdient sollte es anderen nicht vorenthalten und wer es nicht hat, kann auch mit Annahme der Initiative nicht lachen. Trotzdem, Kritik ist nicht zwingend unberechtigt.

Wie immer wenn es um Zahlen und Löhne geht muß das ganze etwas differenzierter und in der Gesamtheit betrachtet werden und nicht nur an einer einzelnen wenig aussagekräftigen, beziehungsweise falsch aussagenden Zahl festgemacht werden.

Tun wir das doch mal und nehmen die reale Grundlage von Fr. 22.- Stundenlohn, auf dieser Basis wurde die Zahl Fr. 4000.- nämlich generiert. Um auf ein Gehalt von Fr. 4000.- zu kommen muß ein Arbeitnehmer 182 Stunden pro Monat arbeiten, daß bedeutet bei durchschnittlich 22 Arbeitstagen im Monat eine tägliche Arbeitszeit von 8.25 Stunden (8 Stunden und 15 Minuten).

Bedenken Sie bitte, daß ein Arbeitnehmer welcher im Stundenlohn arbeitet je nach Bedarf eingesetzt werden kann und keinen Anspruch auf Vollbeschäftigung hat, bezahlte Ferien oder/und Feiertage gibt es auch nicht, ja sogar auf die Gratifikation oder einen 13ten Monatslohn müssen sie verzichten. Um auf das Gehalt von Fr. 4000.- Brutto im Monat zu kommen, arbeitet ein Arbeitnehmer im Stundenlohn als 6 Wochen mehr im Jahr. Um faire Verhältnisse zu schaffen, müssen wir diese 6 Wochen Mehr- respektive Minus-Arbeitszeit abziehen, tun wir das liegen wir bereits auf einem realen Brutto-Monatsgehalt von noch lediglich Fr. 3400.00 und einem ausbezahlten Nettogehalt von lediglich Fr. 2950.-.

Sie sehen also, daß die realen Auswirkungen um ein vielfaches geringer sind und daß es den Wirtschaftsverbänden und meisten Parteien wieder einmal gelungen ist mit falscher Angstmacherei gegen die Ärmsten Menschen in der Schweiz erfolgreich vorzugehen. Eigentlich skandalös wenn man wirklich ein Gewissen hat.

Trotzdem, die Initiative ist nur bedingt fair. Man berücksichtigt mit der Initiative in keiner Weise die demographischen Kriterien der Schweiz. Mit einem Stundenlohn von Fr. 22.- kann man im Kanton Uri ordentlich leben während man in der Stadt Zürich kaum überlebensfähig ist. Dieser Fehler ist tatsächlich kritikfähig, allerdings sind die Auswirkungen weitaus geringer als uns mittels dem TV und den Zeitungen nun glauben gemacht werden will, wie bereits erwähnt, wir sprechen im Billiglohnsektor von Fr. 2950.00 im Monat und dies auch nur bei Vollbeschäftigung. Den Passus der demographischen Verteilung haben die Gegner mittlerweile für sich entdeckt und nutzen ihn schamlos aus. Dieser Klumpenfuß der Initiative könnte tatsächlich dazu führen, daß die Wirtschaftsverbände und Politiker es tatsächlich schaffen die Ärmsten der Armen einmal mehr nachhaltig zu bestrafen indem die Initiative abgelehnt wird. Politisch.ch hofft, daß die Schweizer Bevölkerung clever genug ist diese fragliche Kampagne der Gegner zu durchschauen und am 18. Mai entsprechend abzustimmen.

Sehen wir uns noch die Monatslohnzahlen etwas genauer an. Der Initiative liegt ein Jahresgehalt von Fr. 48`000.00 bei Vollbeschäftigung zugrunde. Da es im Billiglohnsektor üblich ist 13 Monatsgehälter auszubezahlen, muß der reale Monatslohn durch 13 geteilt werden, dies führt zu einem monatlichen Bruttomonatsgehalt von Fr. 3690.00 und einem ausbezahlten Nettogehalt von Fr. 3210.00.

Wir sprechen also über einen realen Monatslohn von lediglich Fr. 3210.-! Es gibt immer rationale Gründe welche gegen ein solches Gehalt sprechen, es gäbe aber genau so gute rationale Gründe unter bestimmten Rahmenbedingungen lediglich einen Mindestlohn von Fr. 5.- zu fordern, warum nicht? Wie wären als Produktionsland wieder attraktiv und wenn 15 Personen in einer kleinen WG wohnen könnte das funktionieren. Spinner denken Sie? Das jetzige Lohnniveau der Poor Workers lässt oftmals schon jetzt nur wenig bessere Bedingungen zu. Politisch.ch sind Löhne unter 2000.00 bei Vollbeschäftigung bekannt, sie leben in einem Schwesternhaus und haben keine sozialen Kontakte. Leider wollen Sie aus Angst nicht an die Öffentlichkeit mit ihrer Geschichte, aber dieser moderne Menschenhandel existiert und zwar an bester Lage und bei einem der renommiertesten und größten Arbeitgeber mitten in der Stadt Zürich, der Arbeitgeber kennt den Mißbrauch, alle reden darüber (natürlich nicht offiziell), aber solange keine offizielle Beschwerde eingeht schaut man nicht hin da der Nutzen über dem Gewissen steht.  Es gibt keinen einzigen ethisch-rational vertretbaren Grund die Mindestlohninitiative nicht zu unterstützen, jene die es wirklich betrifft würden sogar nur sehr wenig mehr verdienen als jetzt. Niemand der in Presse und TV gezeigten Arbeitnehmer die jetzt lediglich ein Nettogehalt von ca. Fr. 3000.00 im Monat verdienen, könnte nach Annahme der Initiative plötzlich die Zahl 4000.- auf der Lohnabrechnung entdecken. Diese Tatsachen der immer noch zu tiefen Reallöhne wird in der gesamten Berichterstattung leider komplett verdrängt und von den Befürwortern als Argument schlicht vergessen oder aus welchen unverständlichen Gründen auch immer, nicht genutzt.

Das wirklich schlimmste Szenario ist keineswegs die Abwanderung von Firmen ins Ausland, sondern die Umwandlung einiger weniger Arbeitsverträge vom fest Angestelltenverhältnis zum Angestelltenverhältnis im Stundenlohn.

Berechnung beim Mindestlohn im Vergleich Stundenlohn und Monatslohn

Berechnung beim Mindestlohn im Vergleich Stundenlohn und Monatslohn

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