Willkür an der Schule. Behördenfilz verharmlost das Problem.

Eine Mutter wehrt sich gegen unzumutbare Zustände an der Schule, die Behörden winken ab: Alles halb so schlimm, wir haben die Situation im Griff!

Die täglichen Missstände und Ungerechtigkeiten nehmen drastisch zu. Die „Akademikerhörigkeit“ führt zu immer mehr überforderten und inkompetenten Beamten. Anstatt nach wirklicher Fähigkeit und Qualität, wird generell und ausschliesslich anhand von akademischen Titeln entschieden ob jemand eine Stelle erhält oder nicht. Dabei ist eines klar, fähige Praktiker mit gesundem Menschenverstand und viel Erfahrung, könnten manch einen Job besser ausführen, wie sich beispielsweise an folgendem Fall zeigt.

Petra M. (Name geändert), versuchte in intensiven Gesprächen erfolglos über Monate, die unzumutbaren Zustände der Klasse, wo Ihr Sohn zur Schule geht, zu verbessern, ohne Erfolg!

Petra M. griff zu einem Mittel welches viel Mut erfordert und als Beispiel für alle gelten sollte, sie schrieb einen offenen Brief an die Zürcher Bildungsbehörde.

Doch die Bildungsbehörde beschwichtigt: Alles halb so schlimm, wir haben genügend Lehrerinnen und Lehrer, die Situation ist im Griff. Aber geändert hat sich nichts.

Ohne öffentlichen Druck wird sich an der Behördenwillkür… und nicht nur dieser, nichts ändern. Politisch.ch informiert über diese Willkür und Sie können mithelfen. Schreiben Sie uns wenn Ihnen Unrecht widerfahren ist, gemeinsam erreichen wir mehr!

Hier nun der offene Brief an die Zürcher Bildungsbehörde:

Sehr geehrte Damen und Herren

In Zürich dürfen Kinder nicht von ihren Eltern unterrichtet werden, wenn diese kein pädagogisches Diplom haben. Zumindest nicht länger als ein Jahr und das nur mit Gesuch, welches bewilligt werden muss. Nun geht mein Sohn in eine Zürcher Schule. Als wir her zogen, kriegte die Klasse eine neue Lehrerin, die frisch ab Presse schon bald vom Beruf überfordert war. In der Klasse herrschte Unruhe – Gewalt, Rassismus, Mobbing waren an der Tagesordnung. Ein neuer Lehrer kam, es wurde nicht besser, der Lehrer ging auch bald wieder. Zurück blieb eine aufgewühlte Klasse ohne Lehrer, Vertretungen gaben sich die Klinke in die Hand.

Das Gewaltproblem kriegte man in den Griff, das Lehrerproblem nicht. Es kamen nach etlichen Vertretungen statt einer gar zwei Lehrerinnen. Eine für Französisch, hatte die Klasse doch einen enormen Rückstand zum Lehrplan, die andere für den Rest. Lehrerin eins hat ein Jahr Lehrerausbildung von dreien hinter sich, spricht Deutsch mit stark ausgeprägtem, französischem Einschlag. Lehrerin zwei hat zwei Jahre Ausbildung von dreien hinter sich, spricht zwar breiten Dialekt, schriftlich ist ihr Deutsch auch eher mangelhaft. Das allein wäre zwar bedenklich,  könnte aber noch akzeptiert werden. Die Frage, wieso solche Menschen ohne Abschluss ganze Klassen unterrichten dürfen, Eltern mit abgeschlossenem Studium und Zusatzausbildung ihr eigenes Kind aber nicht, lassen wir mal aussen vor, auch wenn sie brennt.

Es kommt – als wäre alles nicht genug – noch was dazu: Die Hauptlehrerin ist ständig krank. Zurück bleibt eine fünfte Klasse, die nun aufgeteilt und in andere Klassen gesteckt wird. Mein Sohn sitzt mittlerweile Woche für Woche in der ersten Klasse. Lehrerin zwei ist ab und an da, dann hat die Klasse Französisch, denn mehr unterrichtet diese nicht. Dass in der letzten Deutschprüfung nur drei Schüler genügend waren, spricht eine klare Sprache. Wie die nächste besser werden soll, ist mir ein Rätsel.

Anfragen an die Schulleitung werden abgeschmettert, es heisst, man hätte alles im Griff, täte das Beste. Einwände und konkrete Beispiele von Fehlern werden beleidigt abgetan, passieren tut nichts. Dass einige Schüler die Klasse schon verliessen, weil die Eltern die Zukunftsaussichten gefährdet sahen, spricht für sich, allerdings kann es nicht angehen, dass man Kinder in Privatschulen stecken muss, nur weil eine staatliche Schule dermassen versagt und sich allen Kritiken, Anfragen, sogar Hilfsangeboten verschliesst. Die sechste Klasse steht vor der Tür, eine Tür, die gleichzeitig den Weg öffnet in die Zukunft. Wo soll das hinführen?  Muss man wirklich wegziehen, wenn man das eigene Kind nicht in seiner Schullaufbahn behindert sehen will?

Man kann nun einwenden, das sei ein Einzelbeispiel, allerdings hörte ich schon von ähnlich gelagerten Fällen. Die Schulpsychologin sprach von „nicht gravierenden Abweichungen von anderen Klassen“. Meine Erfahrung nach einigen Umzügen, wodurch ich auch Einblick in diverse Klassen in den Kantonen Bern und Aargau gewann, sprechen eine andere Sprache: Ich habe noch nie eine dermassen aus dem Ruder laufende Schulsituation erlebt, sah mich noch nie mit so unfähigem Schulpersonal konfrontiert.  Fehler passieren, Schwierigkeiten und Engpässe kann es geben. Lehrermangel ist ein bekanntes Problem und man kann keine Lehrer aus dem Ärmel schütteln, trotzdem muss eine Lösung her und zwar schnell. Es besteht ein Grundrecht auf Bildung und das sehe ich in dem Fall stark beeinträchtigt. Fünftklässler, die in ersten Klassen sitzen, werden nicht gefördert, nicht gefordert, sondern abgestellt. Dafür zahle ich keine Steuern und das ist nicht das, was ich mir für mein Kind wünsche.

Die Frage bleibt: Wohin geht der Weg?

Mit freundlichen Grüssen

Eine besorgte Mutter

Die Antwort der Zürcher Bildungsbehörde, Stadtrat Gerold Lauber:

Sehr geehrte Frau M.

Letzte Woche ist Ihr «Offener Brief an die Zürcher Bildungsbehörde» bei uns via Kontaktmail eingetroffen. Nach Rücksprache mit Frau Vera Lang, Präsidentin des Schulkreises Glattal, über die Situation in der Schule Buchwiesen, äussere ich mich gerne wie folgt zu Ihrem Schreiben:

In der Tat gibt es in manchen Schulen – auch in anderen Schulkreisen – eine unglückliche Häufung von Lehrpersonenwechseln, mal aus Zufall, mal aus Gründen, die in der Schule selbst liegen. Und manchmal ist vor allem eine Klasse besonders stark betroffen, was ja bei Ihrem Sohn der Fall gewesen zu sein scheint. Gemäss Vera Lang hat sich die Situation jedoch stabilisiert, da in der Zwischenzeit ein gut qualifizierter Lehrer für die Stelle gewonnen wurde. So können die Eltern und Kinder der wichtigen 6. Klasse zuversichtlich entgegen blicken.

Ganz grundsätzlich lässt sich sagen, dass der Lehrpersonenmangel sich entschärft hat. Auch Dank der Quereinsteiger-Ausbildung an der Pädagogischen Hochschule verzeichnen wir wieder mehr Bewerbungen von Lehrpersonen. Bisweilen lassen sich aber immer noch manche Stellen nur durch Lehrpersonen in Ausbildung besetzen, was offenbar in der Klasse Ihres Sohnes der Fall war. Dass sich daraus Probleme ergeben können, ist den anstellenden Kreisschulpflegen durchaus bewusst. Deshalb sind sie eigentlich immer bemüht, gut qualifiziertes Personal für Unterricht und Betreuung zu engagieren, das über einen längeren Zeitraum in der Schule bleiben möchte. Leider gelingt dies nicht immer. Wie kürzlich eine Studie zeigte, «schmeissen» vor allem junge Lehrpersonen nach relativ kurzer Zeit das Handtuch. Daran gilt es, sowohl in der Ausbildung als auch in den Schulen zu arbeiten, um einerseits den Kindern und andererseits dem Schulteam stabile, verlässliche Beziehungen bieten zu können.

Ich hoffe, dass die Klasse Ihres Sohnes das letzte Jahr in der Primarschule trotz der vorangegangenen Unruhe geniessen kann.

Freundliche Grüsse
Gerold Lauber
Stadtrat

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